Stoffwindeln

Wickeln mit Stoffwindeln

„Das ist ja viel zu kompliziert! Woher soll ich die Zeit zum Waschen nehmen? Viel zu unpraktisch! Das stammt ja aus der Zeit als meine Großeltern gewickelt haben! Also mit Lulu und Kacka will ich nicht in Berührung kommen!“

Kommt euch der eine oder andere Satz vielleicht bekannt vor? Habt oder hattet ihr auch Vorurteile was das Wickeln mit Stoffwindeln betrifft? Wenn ja, dann geht es euch genauso wie es mir noch vor gar nicht allzu langer Zeit ging. Für mich waren Stoffwindeln nie ein Thema. Sie existieren in meinem Universum quasi gar nicht. Viel zu sehr war ich als Neo-Mama damit beschäftigt alles andere für mich ‚richtig‘ zu machen. 

Trinkt mein Kind genug? Ist es warm genug angezogen? Schnürt der Pullover am Hals? Schreit er weil die Zähne bereits kommen? Ist es vielleicht doch der Bauch der zwickt? Ab wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt um mit Beikost zu beginnen?

So viele Fragen mit denen man zu Beginn als Mama konfrontiert ist und denen man tagtäglich gegenübersteht. Da bleibt praktisch keine Zeit mehr über was anders Nachzudenken. Man läuft im Auto-Modus, hat seine mehr oder weniger fixen Abläufe und versucht einfach nur alles ‚richtig‘ zu machen. Bis der Zeitpunkt kommt wo man das erste Mal aufatmen kann. Das Kind wird selbstständiger, alles wird gefühlt etwas einfacher und das Gehirn scheint wieder Informationen und Gedanken aufzunehmen bzw. zuzulassen.  

Einige Monate vor unserem zweiten Kind habe ich das erste Mal voller Entsetzen festgestellt, dass die Menge an Müll die aufgrund von Wegwerfwindeln entstehen, enorm ist. Das war auch der Moment in dem ich mir zum ersten Mal vorgestellt habe wie groß der Müllberg sein muss, den wir in 2,5 Jahren bereits produziert hattet. Ich war geschockt! Etwa zum selben Zeitpunkt haben wir einen Beitrag zum aktuell Plastikproblem und den Folgen auf unsere Umwelt gesehen. Ab diesem Tag hat sich für mich alles geändert. Ich war in erster Linie über mich selbst verärgert und stellte mir die Frage wie blind ich war. Wie konnte mir bis dato nicht auffallen, wie viel Plastikmüll wir Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr produzieren, was es für unsere Umwelt bedeutet und welche weitreichenden Folgen Plastikkonsum auf unserer Gesundheit hat?

Es war Zeit etwas zu ändern. SO wollte ich nicht weitermachen. Ich konnte auch nicht. Ich fühlte mich mitunter verantwortlich und habe beschlossen mein Konsumverhalten, soweit möglich, umzustellen. Erster Schritt: Adios Wegwerfwindeln! So habe ich begonnen das Thema Stoffwindeln in mein Leben zu lassen, schob alle Vorurteile bei Seite, und informierte mich. Dank einer lieben Freundin, einer geprüften Trage- und Stoffwindelberaterin und die Gründerin von Fuchs und Spatz, habe ich ganz schnell gelernt, dass wickeln mit Stoff, eines der einfachsten und zugleich tollsten Dinge im Alltag mit Baby, sein kann. 

Vorteile von Stoffwindeln

Hautverträglichkeit

Alleine unter diesem Gesichtspunkt übertrifft, unserer Meinung nach, die Stoffwindel eine Wegwerfwindel um Welten. 

Während bei der Herstellung von Wegwerfwindeln auf chemische Inhaltsstoffe gesetzt wird, kommen bei der Produktion von Stoffwindeln natürliche, biologische Rohstoffe zum Einsatz. Gerade empfindliche Babyhaut profitiert von Stoffwindeln da sie natürlich und atmungsaktiver sind und somit Überreizungen vorbeugen. 

Kostengünstig

Auf den ersten Blick mag die Anschaffung von Stoffwindeln etwas abschreckend wirken. Ganz klar, es geht dabei nicht um 10, 20, oder 30€ Beträge wie man sie vom Kauf von Wegwerfwindeln gewohnt ist. Für eine Stoffwindel-Grundausstattung muss man locker mit ein paar hundert Euro Investition rechnen. 

ABER, bitte an der Stelle nicht abschrecken lassen und einen Hacken und das Thema Stoffwindeln setzten!

Einfach einmal kurz Inne halten und überlegen was innerhalb von 2,5 bis 3 Jahren an Kosten für Wegwerfwindeln anfallen. 

Als kleines Beispiel:

Davon ausgehend, dass der Preis pro Wegwerfwindel durchschnittlich bei 0,25 Cent liegt, am Tag mindestens 6 Stück davon gebraucht werden, liegen die Kosten pro Jahr bei mindestens € 547,50. 

€ 547,50 FÜR EIN KIND, FÜR EIN JAHR.

Bei einer Fertilitätsrate (= durchschnittliche Anzahl an Kindern pro Frau) von 1,46 in Österreich ergibt das somit einen Gesamtbetrag von mindestens € 1.998,38 (für 2,5 Jahre). 

Eine komplette Stoffwindel-Ausstattung beläuft sich in etwa, je nach Windelsystem, auf € 350 bis € 500. Wohlgemerkt, diese Kosten fallen einmalig an. Ein weiterer Pluspunkt von Stoffwindeln: Sie können für mehrere Kinder genutzt werden. Die Kosten fallen also tatsächlich nur einmal an!

Umweltfreundlich

Die Umweltbelastung die durch die Herstellung von Wegwerfwindeln entsteht ist enorm. Es kommen endliche Ressourcen wie Erdöl zum Einsatz, für die Herstellung des Zellstoffkerns, der für die Absorbierung der Nässe im Inneren der Windel zuständig ist, müssen Bäume gefällt werden. Stoffwindeln hingegen werden in der Regel aus Baumwolle produziert. Es muss jedoch angemerkt werden muss, dass auch hier auf den Herstellungsprozess geachtet werden sollte.

Warum? Reicht es nicht, dass die Stoffwindel aus Baumwolle ist?

Da bei der herkömmlichen Herstellung von Baumwolle kommen Pestizide und Mineraldünger zum Einsatz. Der damit verbundene Wasserverbrauch ist dementsprechend hoch. 

Darum, einfach beim Kauf darauf achten, dass die Baumwolle der Stoffwindel aus kontrolliert biologischem Anbau stammt. 

Hübsches Design

Die Liste an Anbietern ist mittlerweile sehr lang. Dementsprechend gibt es auch eine Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten wenn es um das Design der Windeln geht. Egal ob neutral, mädchenhaft oder burschikos, das Sortiment bietet heutzutage für jede Präferenz was Hübsches wodurch Windeln plötzlich zum optischen Hingucker werden. 

Stoffwindeln

Hier eine kleine Übersicht bekannter Marken und Hersteller von Stoffwindeln:

  • Blümchen
  • Bamboolik
  • Finiwinis
  • Popolini
  • Milovia
  • TotsBots
  • Imse Vimse
  • Anavy
  • Bambino Mio
  • Disana

Mitwachsend

Dieser Punkt ist abhängig von der Art des Windelsystems für das man sich entscheidet. Fakt ist jedoch, dass sich die Größe der Windel mittels Druckknöpfe oder Klett selbst bestimmen lässt und somit von Klein an bis zum Trocken werden verwendet werden kann. 

Toll oder? Und jetzt stellt euch vor auf wie viele Windeln in gut 2,5 Jahren (so lange dauert es im Schnitt bis ein Kind trocken wird) verzichtet werden kann! In Zahlen: Es ist rund 1 Tonne!!

Gesundheitlicher Aspekt

Mit Stoffwindeln lässt sich die Breite der Windeln selbst bestimmen. Das ist insofern ein großer Pluspunkt da durch den Windelsteg zwischen den Beinen eine Anhock-Spreizhaltung erzeugt wird. Somit kann bereits von Beginn an die Hüftentwicklung des Kindes positiv beeinflusst werden indem einer Hüftdysplasie (= Fehlstellungen und Störungen der Verknöcherung des Hüftgelenks beim Neugeborenen) vorgebeugt wird.

Bei der Herstellung von Stoffwindeln wird auf Plastik verzichtet. Der große Vorteil im Vergleich zu Wegwerfwindeln besteht darin, dass wir den empfindlichen Babypopo nicht in Plastik einpacken. Klingt etwas radikal, ist aber so. 

Wer sich mit den Inhaltsstoffen einer Wegwerfwindel auseinandersetzt wird schnell feststellen, dass die Liste an chemischen Zusatzstoffen lang ist. Angefangen von Superabsorbern die aus Erdöl gewonnen werden, bis hin zu Polypropylen (PP), Polyethylen (PE), Copolymer aus Acrylsäure, synthetischer Kautschuk usw. scheint eine Wegwerfwindel eine wahre Chemiebombe zu sein.

Eine Stoffwindel aus kontrolliert biologischem Anbau hingegen ist frei von bedenklichen Inhaltsstoffen. 

Nachteile

Fairerweise muss man jedoch auch sagen, dass es nicht nur Vorteile von Stoffwindeln gibt.

Ein Punkt der vielleicht den einen oder anderen davon abschreckt ist die Tatsache, dass durch Stoffwindeln MEHR Wäsche entsteht, sprich öfters gewaschen werden muss. Kritiker würden nun meinen, dass dies jedoch nicht zum umweltbewussten Dasein beiträgt da durch häufiges Waschen zu einem deutlichen Anstieg des Energie- und Wasserverbrauchs kommt. Ja, diese Behauptung stimmt – zum Teil. 

Die Frage dabei ist WIE gewaschen wird. Energie und Wasser lassen sein ganz einfach durch folgende Maßnahmen geringhalten:

  1. Auf den Trockner verzichten. Stattdessen die Windeln einfach Lufttrocknen lassen. 
  2. Stoffwindeln können zusammen mit Hand- und Geschirrtüchern oder anderen ähnlichen Textilien gewaschen werden. Spart somit eine extra Wäscheladung. 

Bei Erstanschaffung entstehen zwar deutlich höhere Investitionskosten als bei Wegwerfwindeln, diese haben sich jedoch innerhalb des ersten Jahres wieder amortisiert. 

Wickeln mit Stoff ist zeitaufwändiger. Beachte man alleine die Zeit die man mit Waschen verbringt. 

Die Stoffwindeln selbst sowie das ganze zugehörige Equipment benötigen deutlich mehr Platz als Wegwerfwindeln. Sowohl was die Aufbewahrung als auch das Trocknen nach dem Waschen betrifft. 

Aufwendiger und teilweise unpraktisch für unterwegs. Ein adäquater Mittelweg: Für unterwegs Öko-Wegwerfwindeln nutzen, sonst Stoffwindeln. Ist unterm Strich immer noch umweltfreundlicher als gänzlich Wegwerfwindeln zu benutzen. 

FAZIT

Der eine liebt sie, der andere verpönt sie. Wie auch immer, jeder sollte sich vorab selbst ein Bild von den jeweiligen Vor- und Nachteilen machen bevor er das Eine oder Andere kategorisch ablehnt. Für uns persönlich überwiegen eindeutig die positiven Eigenschaften von Stoffwindeln. Nicht nur der Umweltgedanke spielen dabei eine maßgebliche Rolle, sondern auch die Tatsache, dass sie ganz klar die gesündere Alternative zu herkömmlichen Windeln darstellen. Und ganz ehrlich, was gibt es Wichtigeres als die Gesundheit unserer Kinder?  

Wir haben Stoffwindeln die Chance gegeben und sie haben uns vollends überzeugt! Falls ihr nun auch Lust darauf bekommen habt oder einfach einmal mehr darüber erfahren wollt, schaut einfach mal unverbindlich bei Fuchs und Spatz vorbei. Christine berät euch gerne 🙂

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